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Stephan Balkenhol

Helge Leiberg – Move!

Ausstellungsdauer: 23. Januar 2026 bis 10. Mai 2026

Enthemmt, extrovertiert, bacchantisch, zugleich gezügelt „moved“ es hier und heute, inmitten des historischen Kuppelsaals der GALERIE NOAH, durch Raum und Zeit: die starke, ausschweifende Bewegung, wie in Stein gemeißelt, mit wenigen Pinselstrichen in Ewigkeit verbannt; ästhetisch, durchaus, auch archetypisch, antikisiert, kommt das daher. Gestärkt im Saft, voller Power, Energie bringen schwarze Silhouetten, ja, mysteriöse Schattenfiguren etwas auf den Weg. Im Sprung aus der Welt hinüber, in bewusster Balance oder in tänzerischer Aufruhr befinden sich die Protagonisten von Helge Leiberg seit jeher, der Mensch, oft auch das Pferd, quer durch alle Kulturen Symbol für Freiheit, einen ungezähmten Geist. Indes, will man meinen, erfüllen all diese großen und kleinen Helden inzwischen einen Auftrag, eine hehre Aufgabe, vielleicht, womöglich, hoffentlich nicht weniger als die Befriedung, die Wiederherstellung dieser unserer, einer besseren Welt: der Sieg also des Guten über das Böse?

Nicht unbeeinflusst wohl von diesen unseren Tagen, von Krieg und Krise, wirtschaftlicher, pandemischer, auch sozialer, verfolgt der Maler, Bildhauer und Performance-Künstler Leiberg kontinuierlich sein Werk: die Versinnbildlichung unserer Zeit, unserer Träume und Wünsche, das ganz wie gänzlich ohne jegliche Verleugnung, direkt heraus, geradewegs, radikal. Kein Wunder, dass die Collage, wenn auch nur gemalt, ein Bildmotiv zerfetzt, uns irritiert, ein Moment immer und immer wieder „removed“ wird, einer Spule gleich; kein Wunder, dass die leichte, getreu getriebene Figur angestrengt der Weltkugel entgegenhält, quasi ein verzweifelter, beinahe entsagender Atlas (alias Sisyphos); kein Wunder, der Aufmarsch einer Truppe – alleine, ist nicht mehr!

Und dazwischen Hoffnung, wunderschöne, weibliche Standbilder, in Bronze gegossene Figurinen, wie erhabene Schicksalsgöttinnen, in Harmonie und herrlicher Grazie, mit kraftvollen Händen und Füßen, die uns den Weg weisen, den „Move“ vorgeben. Ein Segen, Friede, Freude, Frohsinn, für einen Moment, das Gute, Schöne, Wahre. Wunderbar.

Leiberg, 1954 in Dresden geboren, ebenda an der Hochschule für Bildende Künste bei Professor Gerhard Kettner studiert, beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der bildenden Kunst, gleichermaßen mit Musik, Free Jazz, Neuer Musik, und Tanz. 1979 gründet er eine Mal-Band, der auch A. R. Penck lange Zeit angehört. Laut wollen sie sein, in der DDR, und prompt wird Leiberg ausgewiesen, 1984, siedelt über nach West-Berlin. Er, wie Penck, bleibt sich treu, bleibt Individualist, verharrt chiffrehaft expressiv auf Leinwand, figurativ, während um ihn herum die „Jungen Wilden“ toben. Bis heute verbindet er Musik, Gesang, Tanz, auch Literatur mit Malerei, Plastik, Film, alles fließt ineinander über, ein, prozesshaft, in ein großes Ganzes; dabei greift Leiberg lustvoll in die große Trickkiste der profanen Mythologie, auch der christlichen Ikonografie, um die Zeit, den Zeitgeist, das Gefühl in Mut gebenden, Freude schenkenden, auch tragikomischen wie ironischen Allegorien zu packen. Er hat Erfolg: Über Jahrzehnte hinweg nunmehr stellt er in Ost- wie West-Deutschland aus, auf der „Biennale“ in Venedig, immer wieder in New York, in Brasilien, China. Jüngst auch wird er geadelt mit dem Ehrenpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten, auch mit einer großen musealen Schau im Dresdner Barockgarten Großsedlitz, während sein Oeuvre im Getty-Museum Los Angeles imponiert, und Leiberg per se, als Performance-Künstler, in Europa durch die Lande zieht, mit intellektueller Elite wie Peter Lohmeyer, Corinna Harfouch und einst auch Christa Wolf.   

Zum vierten Mal seit 2008 präsentiert die GALERIE NOAH den so umfassenden Künstler Helge Leiberg mit rund 50 Arbeiten, stets mit überwiegend neuen Acrylbildern, Bronzeplastiken und Tuschezeichnungen, die im Kontext stehen mit älteren, vorhergehenden. Mit unserem Ausstellungstitel „Move!“ fordert er auf zur Bewegung, zur Mobilisierung, Reflexion, körperlicher wie geistiger, und macht den „Raum zur Zeit“, ein Zitat von Richard Wagner, aus „Parsifal“, der Oper um den sagenhaften Artusritter, der erst Mensch werden musste, um ein Held zu sein.            

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