Monika Schultes Werke im Foyer Ignaz Walter Atrium
Monika Schultes
„Karyatide I bis III“
2001
Acrylmischtechnik auf Leinwand
295 x 160 cm
Leihgabe Kunstmuseum Walter
Künstlerin vertreten durch die Galerie Noah
Geboren: 1955 in Augsburg. Lebt und arbeitet in Augsburg.
Studium
1979-1981 Textil-Design an der Fachhochschule für Gestaltung, Augsburg
1981-1984 Kunstgeschichte und Italienisch an der Universität Augsburg
1989-1995 Malerei- und Grafikstudium an der Akademie der Bildenden Künste in München
1996-1998 Aufbaustudium Bildnerisches Gestalten und Therapie an der Akademie der Bildenden Künste in München.
Monika Schultes über ihr Werk:
Über das Stützen und Halten, über Stabilität und Sturz
Der Titel verweist auf die Karyatide der antiken Architektur: weibliche Figuren, die anstelle von Säulen die Last eines Gebäudes tragen. Sie verkörpern das Spannungsverhältnis zwischen Kraft und Last, zwischen Standhalten und Gefährdung. Karyatiden und Atlanten stützen sich gegenseitig, laden andere Figuren und auch Tiere dazu ein, ihnen zu helfen.
In meiner Arbeit mit den Bild-Säulen wird dieses architektonische Motiv zum Sinnbild für die Frage, was uns trägt, wie wir einander Halt geben und wie abhängig Stabilität vom gegenseitigen Stützen ist.
Die Leinwände bemalte ich zunächst auf dem Boden meines Ateliers. Während der Arbeit hörte ich Radio und wurde von den Nachrichten über die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 erschüttert. Diese Erfahrung habe ich unmittelbar in ein Bild einfließen lassen: zwei Türme werden von einem monströsen Wesen angegriffen. Die Wirklichkeit drängte sich in die künstlerische Auseinandersetzung und übertraf auf erschütternde Weise meine Bildthematik. Die Türme, Symbole einer scheinbar unerschütterlichen Ordnung, wurden zum Bild ihrer eigenen Verletzlichkeit.
Die Karyatiden führen uns vor Augen, dass alles Tragende selbst gefährdet sein kann. Zwischen dem Bedürfnis nach Halt und der Möglichkeit des Sturzes entfalten sie ein Spannungsfeld, das weit über die Architektur hinausreicht und eine grundlegende menschliche Erfahrung berührt.
Über die Künstlerin:
Monika Schultes ist eine vielseitige deutsche Künstlerin, deren Werk Malerei, Zeichnung, Video und Keramik umfasst. Besonders ihre ausdrucksstarken Acrylgemälde zeichnen sich durch eine intensive Farbigkeit und einen pastosen Farbauftrag aus, der den Bildern eine außergewöhnliche räumliche Tiefe und Lebendigkeit verleiht.
Inhaltlich bewegt sich Schultes zwischen unterschiedlichen Themenfeldern, die sie häufig mit feinem Humor und ironischem Blick betrachtet. Über viele Jahre setzte sie sich insbesondere mit der Rolle der Frau auseinander und bezog dabei Motive aus der griechisch-römischen Mythologie sowie kunsthistorische Referenzen in ihre Bildwelten ein. In jüngeren Werkgruppen rückt zunehmend die Beziehung zwischen Mensch und Tier in den Fokus, wobei das Tier als eigenständiges Gegenüber immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war Monika Schultes über viele Jahre als Kunsttherapeutin am Bezirksklinikum Augsburg tätig. Diese Erfahrung prägt bis heute ihren sensiblen Blick auf das Wesen und die Vielfalt menschlicher wie tierischer Lebenswelten.